Was es wirklich ist. Wann es Sinn macht. Und wo die Grenzen liegen.
Zoom-Invite im Kalender, aber der Raum ist ein Teams Room? Kein Problem – genau dafür gibt es Direct Guest Join.
DGJ erlaubt es, Zoom-, Webex- (und je nach System auch Google Meet-) Meetings direkt aus dem Teams Room heraus beizutreten – ohne Laptop, ohne HDMI-Kabel, ohne BYOD. Klingt nach der perfekten Interoperabilität.
Was DGJ wirklich kann, wo es glänzt und wo die Architektur Grenzen setzt, zeige ich dir im Detail.
TL;DR
Direct Guest Join ist die pragmatische Lösung für Zoom-, Webex- und (auf Windows) Google-Meet-Meetings in Teams Rooms – ohne BYOD.
Und das Schöne daran: DGJ nutzt keinen „Trick“, sondern setzt auf einen modernen, etablierten Standard (WebRTC), der genau für solche Szenarien gebaut wurde: schnelle, sichere Medienverbindungen über das Internet, ohne komplexe Interop-Stacks.
Der große Mehrwert ist dadurch ziemlich klar:
One-Touch Join direkt aus dem Kalender
Kein Laptop, kein HDMI, kein BYOD-Stress
Raumkamera und Raumaudio werden sauber genutzt
Einheitliche UX in Teams Rooms, auch wenn das Meeting nicht Teams ist
Sehr gut skalierbar für Unternehmen, die Teams als Standardplattform nutzen, aber regelmäßig externe Meetings mit Zoom oder Webex haben
Wichtig ist nur die richtige Einordnung: DGJ ist kein nativer Plattform-Client, sondern ein WebRTC-Web-Join. Genau daraus ergeben sich klare Grenzen: offiziell ein Display, kein HDMI-Content senden, kein Content-Camera-Stream und bis zu 720p/30fps.
Wenn diese Themen kein Hindernis darstellen, ist Direct Guest Join ein absolut fantastisches Feature für Ihren Meeting Room – und genau die Art Funktion, die in der Praxis Support-Tickets reduziert und Meetings einfach „laufen lässt“.
Welche Plattformen werden unterstützt?
Aktueller Stand:
Microsoft Teams Rooms auf Windows (MTRoW)
- Zoom
- Cisco Webex
- Google Meet
Microsoft Teams Rooms auf Android (MTRoA)
- Zoom
- Cisco Webex
Google Meet ist aktuell nur für Teams Rooms auf Windows in der DGJ-Funktionsmatrix enthalten.
Wichtig:
Join-by-ID ist nicht bei allen Plattformen verfügbar. Der klassische Join über den Kalender (Join Button) ist der Normalfall.
Typische Use Cases – wo DGJ wirklich Sinn macht
DGJ ist aus meiner Sicht besonders stark in diesen Szenarien:
Teams ist die Hauptplattform
- 80–90 Prozent der Meetings laufen über Teams
- Zoom/Webex/Meet kommt gelegentlich dazu
- Standardisierung ist wichtiger als maximale Feature-Tiefe
Hier ist DGJ fast immer die pragmatisch richtige Antwort.
Executive Rooms
Ein Button, kein Kabel, keine Diskussion.
In diesen Räumen zählt UX mehr als Feature-Vollständigkeit.
Globale Organisationen
Region A Teams, Region B Zoom, Region C Webex.
DGJ reduziert Komplexität, ohne Multi-Plattform-Räume betreiben zu müssen.
Huddle Rooms und Standard-Konferenzräume
Kein Dual-Display-Design, kein hochkritischer Content.
Hier funktioniert DGJ sehr zuverlässig.
Was DGJ im Hintergrund wirklich macht
Das Spannende an Direct Guest Join ist: DGJ ist keine klassische „Interop-Bridge“ in der Microsoft Cloud und auch kein SIP-Join.
Direct Guest Join basiert auf einem WebRTC-Web-Join.
Das bedeutet: Der Teams Room tritt dem Zoom-, Webex- oder Google-Meet-Meeting als Web-Teilnehmer bei. Der Room nutzt dabei weiterhin seine installierte Raumhardware (Kamera, Mikrofone, Lautsprecher), aber die Teilnahme am Meeting erfolgt technisch über eine WebRTC-Verbindung.
Diese Architektur ist auch der Grund, warum Direct Guest Join direkten Internetzugriff benötigt.
Der WebRTC-Ablauf bei Direct Guest Join
WebRTC besteht grundsätzlich aus zwei Teilen:
- Signaling (Aushandlung der Session-Parameter)
- Media (Audio, Video, Content)
Wichtig: WebRTC standardisiert die Medienübertragung, aber nicht, wie das Signaling technisch umgesetzt wird. Das Signaling ist plattformspezifisch und wird von Zoom, Webex oder Google Meet jeweils unterschiedlich realisiert.
1) Einladung wird ausgewertet
Der Teams Room liest aus der Kalendereinladung:
- Join-URL der Plattform
- optional Meeting-ID / Passcode
- optional SIP-Dial-String (wenn im Invite enthalten)
Wenn ein SIP-Dial-String enthalten ist und SIP-Join aktiviert wurde, kann ein Teams Room auch SIP nutzen. Wenn kein SIP-Dial-String vorhanden ist, nutzt der Teams Room Direct Guest Join.
2) WebRTC Session Description (SDP)
Damit eine WebRTC-Verbindung aufgebaut werden kann, werden Session-Parameter ausgetauscht. Das geschieht über SDP (Session Description Protocol).
SDP enthält unter anderem Informationen zu:
- unterstützten Codecs (Audio/Video)
- Auflösung und Framerate
- Media-Richtungen (Send/Receive)
- Transport-Parameter für Verschlüsselung und Verbindungsaufbau
3) ICE: Aufbau der Netzwerkverbindung (NAT Traversal)
Danach startet ICE (Interactive Connectivity Establishment).
ICE hat die Aufgabe, einen funktionierenden Netzwerkpfad zwischen Teams Room und der Plattform herzustellen – auch wenn der Room hinter NAT oder Firewalls sitzt.
Dabei können unter anderem diese Mechanismen zum Einsatz kommen:
- STUN (um die öffentliche NAT-Adresse zu ermitteln)
- TURN (als Relay, falls keine direkte Verbindung möglich ist)
In der Praxis ist das einer der Gründe, warum Direct Guest Join stärker auf sauberen Internet-Egress angewiesen ist als klassische SIP-Setups.
4) DTLS-SRTP: Verschlüsselung der Medien
Sobald ICE einen funktionierenden Pfad etabliert hat, folgt die Absicherung der Medienströme.
WebRTC nutzt hierfür DTLS-SRTP:
- DTLS (Datagram Transport Layer Security) wird genutzt, um kryptografische Schlüssel auszuhandeln
- Die eigentlichen Medienströme laufen anschließend als SRTP (Secure Real-time Transport Protocol)
- Audio und Video sind damit verschlüsselt übertragen
5) Medienübertragung
Nach erfolgreichem Verbindungsaufbau werden Audio- und Video-Streams übertragen.
Im Direct Guest Join Modus gilt dabei:
- Die Medienverarbeitung folgt der WebRTC-Architektur
- Der Teams Room verhält sich technisch wie ein Web-Teilnehmer
- Genau daraus ergeben sich die in der Funktionsmatrix dokumentierten Einschränkungen (z. B. Auflösung, Display-Anzahl, HDMI-Content)
Warum DGJ technisch limitiert ist (und warum das kein „Bug“ ist)
Sobald man verstanden hat, dass Direct Guest Join ein WebRTC-Web-Join ist, sind die Einschränkungen nicht mehr überraschend – sie sind eine direkte Folge der Architektur.
Ein Teams Room verhält sich im DGJ-Modus technisch wie ein Web-Teilnehmer, nicht wie ein nativer Raum-Client der jeweiligen Plattform. Dadurch fehlen bestimmte native Room-Funktionen, die in Teams Meetings oder bei SIP-Interop verfügbar sind.
1) Auflösung: DGJ ist offiziell 720p / 30 fps
In der offiziellen Funktionsmatrix ist für Direct Guest Join definiert:
- Receive video quality: Up to 720p / 30 fps
- Send video quality: Up to 720p / 30 fps
Diese Begrenzung ist typisch für WebRTC-Web-Join-Szenarien in Raumumgebungen.
Im Vergleich dazu können native Teams Meetings oder SIP-Interop-Szenarien höhere Videoauflösungen unterstützen, weil dort eine andere Client- und Media-Architektur genutzt wird.
In der Praxis bedeutet das:
- DGJ ist visuell absolut brauchbar
- Der Unterschied wird vor allem sichtbar bei großen Displays und detailkritischem Content
- Für Standard-Meetings ist 720p in vielen Räumen ausreichend
- Für High-End-Konferenzräume mit sehr großen Front-of-Room-Displays kann man den Unterschied zu 1080p schneller erkennen
2) HDMI-Content senden: nicht verfügbar
In der Funktionsmatrix steht für Direct Guest Join:
- Send content with HDMI: Not available
- Send content with content camera: Not available
Das ist einer der wichtigsten technischen Unterschiede zwischen DGJ und einem nativen Teams Meeting.
Der Hintergrund ist einfach:
HDMI-Ingest und Content Camera sind in Microsoft Teams Rooms Funktionen, die in nativen Teams Meetings als eigene Content-Pipeline verarbeitet werden.
Im Direct Guest Join Modus läuft der Meeting-Join jedoch über einen WebRTC-Web-Client. Dieser Web-Join besitzt keinen nativen Mechanismus, um den HDMI-Ingest des Raums als separaten Content-Stream in ein Zoom-, Webex- oder Google-Meet-Meeting einzuspeisen.
Wichtig:
Receive content ist verfügbar. Der Raum kann also Inhalte empfangen und anzeigen. Das Senden von Content über HDMI ist jedoch nicht Bestandteil von DGJ.
3) Dual-Display: offiziell nur ein Display
In der Funktionsmatrix ist für Direct Guest Join definiert:
- Maximum front of room displays: One display
In nativen Teams Meetings ist Dual-Display einer der größten Vorteile von Teams Rooms: Teilnehmer und Content werden intelligent auf zwei Displays getrennt.
Im Direct Guest Join Modus ist das offiziell nicht vorgesehen. Der WebRTC-Web-Join wird als ein zusammenhängendes Meeting-Rendering ausgegeben, nicht als getrennte, raumoptimierte Multi-Display-Ausgabe.
In der Praxis bedeutet das:
- DGJ funktioniert gut in Single-Screen-Räumen
- In Dual-Screen-Räumen verliert man das typische „Teilnehmer links / Content rechts“-Erlebnis
- Gerade in großen Räumen ist das eine wichtige Design-Entscheidung
4) Events und Webinars: nicht unterstützt
In der Funktionsmatrix steht:
- Events & Webinars: Not available
Direct Guest Join ist für Standard-Meetings konzipiert. Event- und Webinar-Formate nutzen je nach Plattform andere Rollenmodelle, UI-Flows und Feature-Sets, die über DGJ nicht abgebildet werden.
5) Raumfunktionen: einige Klassiker fehlen
In der DGJ-Matrix sind weitere Einschränkungen dokumentiert, zum Beispiel:
- Lobby control: Not available
- Microphone mute sync: Not available
- Teams Rooms coordinated join: Not available
Diese Funktionen gehören zu den klassischen „Teams Rooms Orchestration“-Features, die in nativen Teams Meetings verfügbar sind.
Im DGJ-Modus ist der Room jedoch ein Web-Teilnehmer der Drittplattform. Dadurch existiert keine vollständige Integration dieser Raumfunktionen in die jeweilige Plattform.
DGJ vs SIP Interop vs BYOD – die schnelle Entscheidungshilfe
Direct Guest Join ist nicht die einzige Interoperabilitätsstrategie. In der Praxis gibt es drei typische Wege:
- DGJ (WebRTC-Web-Join)
- SIP Interop / CVI (SIP-basierte Interoperabilität)
- BYOD (Laptop als nativer Client)
Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Direct Guest Join (DGJ) | SIP Interop (CVI) | BYOD |
|---|---|---|---|
| Join-Komfort | Sehr hoch | Hoch | Mittel |
| Videoqualität | Bis 720p / 30fps | Bis 1080p / 30fps | Plattformabhängig |
| Front-of-room Displays | 1 Display | 2 Displays | Laptop-gesteuert |
| HDMI-Content senden | Nein | Ja | Ja |
| Content Camera | Nein | Ja | Plattformabhängig |
| Events/Webinars | Nein | Plattformabhängig | Plattformabhängig |
| Plattform-Funktionsumfang | Reduziert | Reduziert | Voll |
| Komplexität | Niedrig | Mittel bis hoch | Niedrig bis mittel |
| Lizenzkosten | Niedrig | Höher | Keine Raumkosten |
Kurz gesagt:
DGJ ist Komfort und Standardisierung.
SIP ist technisch leistungsfähiger als DGJ, aber komplexer.
BYOD ist funktional am vollständigsten, aber nicht so elegant.
Fazit
Direct Guest Join ist keine Multi-Plattform-Raumstrategie.
Es ist eine Interoperabilitätsbrücke auf WebRTC-Basis.
Richtig eingesetzt ist DGJ extrem wertvoll, weil es:
- Kabel eliminiert
- UX vereinheitlicht
- Standardisierung unterstützt
Aber DGJ hat klare Grenzen, die man kennen muss:
- bis zu 720p / 30fps
- offiziell nur ein Display
- kein HDMI-Content senden
- keine Content Camera
- keine Events/Webinars
- reduzierte Raum-Orchestrierung
Wer das sauber einordnet, wird DGJ lieben.
Wer es als vollwertigen Ersatz für native Plattform-Räume verkauft, erzeugt falsche Erwartungen.
Mein Takeaway
Direct Guest Join ist für die typische Enterprise-Realität mit überwiegend Teams und gelegentlichen Fremdmeetings absolut sinnvoll.
Direct Guest Join ist für mich die deutlich elegantere Lösung als BYOD, wenn Teams Rooms die Standardplattform im Unternehmen sind.
Statt dass jeder Nutzer erst seinen Laptop anschließt, Adapter sucht, Audio-Routing prüft und im Zweifel doch wieder ein Kabelproblem löst, funktioniert DGJ einfach wie ein echter Meeting Room: Einladung im Kalender, Join drücken, Meeting läuft. Kamera, Mikrofone und Lautsprecher des Raums werden sauber genutzt – ohne dass der Raum jedes Mal zu einem „Laptop-Projekt“ wird.
Das Ganze basiert nicht auf irgendeinem Workaround, sondern auf WebRTC, also einem modernen, etablierten Standard für schnelle und sichere Medienverbindungen über das Internet. Genau deshalb ist DGJ so gut skalierbar und in der Praxis oft der Gamechanger für Unternehmen, die Teams als Standard nutzen, aber unregelmäßig externe Zoom- oder Webex-Meetings haben.
Ja, DGJ ist kein nativer Plattform-Client.. Aber wenn diese Punkte im Raumdesign keine Showstopper sind, dann ist DGJ die Lösung, die Meetings wirklich „einfach laufen lässt“ – und BYOD in vielen Unternehmen ganz nebenbei zur Ausnahme macht.


